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03/2000 Die Oberhavel
Mit Forscherhang und Räuberdrang machte sich Dr. Günter Kiesel auf, die Hot Spots der Oberhavel aufzuspüren. Er entdeckte ein anspruchsvolles und vielseitiges Revier mit zahllosen Angelmöglichkeiten
Von Von Dr. Günter Kiesel
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 | Der Havelstrom: Berühmt für Aal |
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Aal, Hecht, Zander, Barsch - dieses Räuber-Quartett suchte ich in der Fluss-Strecke von Brandenburg bis Saaringen. Und fand es! Um aber fündig zu werden, muss man jedoch zunächst das Biotop verstehen.
Die Havel erstaunt durch eine naturnahe Gewässerstruktur und eine in weiten Teilen nur gering durch den Menschen geprägte Flussauen-Landschaft. Obwohl gerade die Oberhavel vielerorts regulierte Wasserstände für eine ganzjährige Schifffahrt aufweist, haben sich Alt- und Nebenarme erhalten, sicher ein Hauptgrund für den Artenreichtum - trotz der intensiven Fischerei durch die Fischereigenossenschaft Havel Brandenburg. Dazu tragen ebenfalls die durch den Aue-Lehmabbau entstandenen Gruben bei, weil sie teilweise eine direkte Verbindung zum Hauptstrom haben. In einigen Fällen sind sie so zahlreich und stark strukturiert, dass sie einem Wasserlabyrinth ähneln.
Die Angelbedingungen werden durch Wehre und Schleusen bestimmt. Die Pegelschwankungen bewegen sich im Regelfall um einen halben Meter. Man trifft geringe Fließgeschwindigkeiten ebenso an wie starke Strömung. Auch die regelmäßige sommerliche Algenvermehrung, die sogenannte Wasserblüte, ist beim Angeln zu beachten. Mit entscheidend im Hinblick auf den Zielfisch und die Methode: die Wassertiefe. In der Stromhavel liegen die größten Wassertiefen zwischen 3 und 5 m, während die Seitenarme überwiegend um 1 m flach und stark verlandet sind.
Die Ufer des Flusses sind nur in Teilbereichen zugänglich. Zum einen, weil eine Vielzahl von Entwässerungsgräben einen direkten Zugang verhindern; zum anderen, weil Verlandungszonen ein Betreten unmöglich machen. Der Bootsangler ist daher klar im Vorteil. Außer im Sommer, denn dann tummeln sich zahllose Sportboote auf dem Gewässer. Der Havelstrom: berühmt für Aal Der Flussabschnitt zwischen Brandenburg und Saaringen - Flusskilometer 55 bis 49 - schließt die Krumme Havel, den Emster Kanal, die Erdelöcher Wust und das Erdeloch Gollwitz mit ein. Die Havel ist hier durchschnittlich 50-60 m breit, die Fahrrinne nur etwa 3 m tief. Lediglich unmittelbar unterhalb des Flusskilometers 52 wird sie auf einer Länge von ca. 1,5 km tiefer. Die Nebenarme wie auch die Krumme Havel und der Emster Kanal sind mit 1,5 bzw. 1,8 m Wassertiefe deutlich flacher. Tiefer wird es nur an einzelnen Hot Spots. Und genau die gilt es zu finden - hier lauern die Räuber und müssen die Köder hin! Im Bereich der Ortschaften Wust und Klein Kreutz lassen sich einige Havelabschnitte gut von Land aus beangeln. Der Emster Kanal ist auf ganzer Länge befischbar, während die Krumme Havel - abgesehen von wenigen versteckten Stellen - vom Ufer aus nicht zugänglich ist.
Die Angelei im Hauptstrom wird stark von den Strömungsverhältnissen bestimmt. In diesem Bereich können die höchsten Fließgeschwindigkeiten erreicht werden; in Trockenzeiten kommt das Wasser bei geschlossenen Wehren aber auch hier fast zum Stillstand. Eine schlimmstenfalls bereits zum Schonzeitende einsetzende und bis in den Herbst anhaltende Algenblüte wäre für den Spinnangler "tödlich" - schlimmstenfalls, wohlgemerkt! Denn bei kühler Witterung zum Saisonstart lassen sich gerade in den Flachbereichen Hechte oder Barsche auf die Schuppen legen.
Im Gegensatz dazu zeigt sich der Aal relativ unbeeindruckt von der Sichtigkeit des Wassers. Kein Wunder, dass er für die meisten Uferangler der Zielfisch Nr. 1 ist. Doch der Bestand, für den die Havel einst berühmt war, ist leider, wie fast überall, im Rückgang begriffen. Aber der Ansitz lohnt noch immer. Erwähnenswert sind auch die gute Rapfen-Population sowie die Zander-Banden.
An die tieferen Stellen kommt man als Uferangler meist nicht heran. Doch selbst wenn man an einer solchen Stelle, an der die Fische dicht an dicht stehen, fischen kann, gibt es noch lange keine Fanggarantie. Denn warum sollte ein Zander ausgerechnet den Angelköder nehmen, wenn es um ihn herum von Beute nur so wimmelt?
Um beim Spinnfischen Bisse zu bekommen, muss feinfühlig und konzentriert geangelt werden. Mein Tipp für Uferangler: Zwischen dem Flusskilometer 50 und dem Campingareal gibt es auf der Zeltplatzseite eine durch eine Sandbank vom Hauptstrom abgegrenzte Rinne mit ca. 3,5 m Wassertiefe. Die läuft in 10-20 m Abstand parallel zum Ufer und zum Platz hin flach aus. Trotz einer Länge von nur 20-30 m stehen hier selbst im Winter Fische.
Kommen wir zu einigen ausgewählten Gewässern am Oberhavel-Lauf, die besonders zu empfehlen sind. Groß-Erdenloch Wust: alle Optionen offen Dazu gehört das so genannte Groß-Erdenloch Wust). Unmittelbar hinter der Ortschaft Wust, östlich von Brandenburg, erschließen sich mehrere stehende, reich strukturierte Gewässer, Relikte des ehemaligen Lehmabbaus. Die zwei am Hauptweg gelegenen Gewässer sind allerdings Privatbesitz und deshalb nicht zugänglich.
Das dahinter liegende, auch als Großes Erdeloch Wust bezeichnete Gewässer wird von der Fischereigenossenschaft Havel Brandenburg bewirtschaftet. Es ist über einen 5-10 m breiten und knapp 2 m tiefen Stichkanal direkt mit der Havel verbunden und bietet mit 150 ha Fläche ausreichend Platz für Fische und Angler. Die ausgeprägte Flachwasserzone vor allen im vorderen (östlichen) Bereich, einige Buchten am Südufer sowie Wassertiefen zwischen 3 und 5 m prägen die Angelbedingungen. Die 2-m-Tiefenlinie verläuft teilweise unmittelbar am Ufer. In den Tiefbereichen ist der Untergrund meist hart und an etlichen Stellen mit Miesmuscheln bewachsen. Mit zunehmender Erwärmung des Wassers setzt eine rasche Algenblüte ein, die die Sichtverhältnisse trübt. Erst ab Herbst zeigt sich der Gewässergrund in bis zu 2 m Wassertiefe.
Die Ufer-Angelmöglichkeiten beschränken sich im Wesentlichen auf den begehbaren Bereich am Ostufer. Vom Boot aus hat man hingegen alle Optionen auf Barsch, Hecht und Zander. Aber auch der Aal-Bestand verdient Beachtung. Der Barsch geht meist als Beifang beim Spinnangeln an den Haken. Beliebtester Zielfisch ist aber der Esox. Vor allem nach Ende der Schonzeit erbeutet man in den Flachwasserzonen regelmäßig Grashechte. Die richtigen Brocken - das gilt auch für Zander - stehen jedoch tiefer bzw. jagen im offenen Wasser. Im Sommer trifft man die Zander häufig an der Oberfläche an. Sich diesen Fischen dann unbemerkt auf Spinnrutenwurfweite zu nähern, ist allerdings schwierig. Deshalb ziehen viele Kammschupper-Spezis den Ansitz mit Köderfischen vor, die ufernah angeboten werden. Erdelöcher Wust: typisch für Hecht Das nächste interessante Revier ist das Erdelöcher Wust. Dazu gehören 2 DAV-Gewässer: eine nur ca. 1 ha große Fläche mit schmaler und flacher Verbindung zum Groß-Erdenloch sowie ein 10 ha umfassender, östlich angrenzender See. Beide sind vom Ufer aus nur über den dazwischen liegenden Weg beangelbar. Das kleinere Loch mit 2 m Tiefe im vorderen Teil, einer im Sommer mit Seerosen bewachsenen Erhebung in der Mitte und flach auslaufendem Südteil hat eine recht überschaubare Struktur. Das größere Areal ist hingegen sehr stark gegliedert und trotz des 3-m-Loches im Ostteil kaum tiefer als 2 m; der gesamte Südteil hat im Schnitt sogar nur 50 cm - ein typisches Hecht- und Schleiengewässer mit starkem Pflanzenwuchs im Sommer. Bis 1990 galt es sogar als Top-Hecht-Revier. Nach dem Intermezzo einer privaten Nutzung wird es heute wieder vom DAV bewirtschaftet und gewinnt hoffentlich den alten Reiz zurück. Neben dem Hecht bietet aber auch der Barsch in beiden Angelgewässern viel Kurzweil. Erdeloch Gollwitz: klein, aber fein Klein, aber fein, so die Kurzcharakteristik für das Erdeloch Gollwitz (s.Karte, Ziffer 2). Ein DAV-Gewässer von nur 3 ha Wasserfläche, das aber bis zu 10 m in die Tiefe geht. Die Ufer fallen überwiegend steil auf 5 m Tiefe ab. Etwas flacher ist der Nordbereich. Hier gibt es auch eine bis 2 m unter die Wasseroberfläche ansteigende Untiefe. Dieser Berg und seine angrenzenden Bereiche sind im Sommer stark von Laichkräutern bewachsen. Hechte und Angler wissen dies zu schätzen. Allerdings muss schon einer der beiden in Frage kommenden Angelplätze frei sein. Und der Köder darf nicht im Kraut fest hängen.
Die Gewässerstruktur ist bestens geeignet, um den Grund mit Gummifischen oder Twistern abzuklopfen, um so die geheimnisumwitterten Zander ans Tageslicht zu fördern. Am besten gelingt das von der Badestelle aus. Nicht nur, weil hier Sand den Untergrund bildet, sondern vor allem, weil die Badenden durch das Aufwirbeln des Sediments Kleinfische und damit am Ende des Badetages auch Räuber anlocken.
METHODEN Spinnfischen und Ansitzangeln in den Havel-Nebenarmen und den stehenden Gewässern.
GERÄT Wurfgewichte um 20 g und Schnüre bis 5 kg reichen im Allgemeinen aus. Lediglich beim Angeln mit totem Köderfisch oder in der Hauptströmung der Havel Ruten bis 80 g Wurfgewicht und Schnüre nicht unter 8 kg Tragkraft einsetzen. Zum gezielten Zanderangeln gilt: Feiner angeln, bringt mehr.
KÖDER Schwimmende Wobbler mit Tauchtiefen zwischen 1 und 2 m lassen sich prima vom Ufer aus einsetzen. Um gezielt den Grundbereich abzusuchen, sind vom Boot aus neben Gummifischen und Twistern tief laufende Wobbler erste Wahl.
EXTRA-TIPP Für Uferangler sind unbeschwerte Spinner besonders zu empfehlen. Denn leider verfallen immer mehr Spinnfischer dem Weitwurfwahn und schenken einem extrem langsam getührten Spinner nicht die nötige Aufmerksamkeit.
BESTIMMUNGEN Angeln vom verankerten Boot aus erlaubt. Entnahme: max. 3 Raubfische (Zander und Hecht) pro Angeltag. Das Mindestmaß für Barsch gilt in Produktionsgewässern.
ERLAUBNIS Havel mit Nebengewässern und Groß-Erdeloch Wust bedürfen als Produktionsgewässer einer Angelberechtigung der Fischereigenossenschaft. Diese ist erhältlich in der Geschäftsstelle Margaretenhof, 14774 Plaue, Tel. 03381/513244. Dort kann man auch weitere Ausgabestellen für Angelkarten erfragen. DAV Angelberechtigungen gibt es über die Angelvereine, Kreisangelverbände oder die Hauptgeschäftsstelle Potsdam des LAV Brandenburg, Tel. 0331/
7430110.
UNTERKUNFT Findet man unterwegs keine passende Unterkunft, wird dies in Brandenburg sicher gelingen, und in Klein Kreutz gibt es noch einen Zeltplatz. Der liegt jedoch auf dem nördlichen Havel-Ufer. Eine Stadtdurchfahrt ist unumgänglich, falls man nicht einen Umweg über Ketzin in Kauf nimmt.
ANFAHRT Brandenburg ist bequem über die Autobahnen A2, 9 und 10 anzufahren. Den vorgestellten Flussabschnitt erreicht man am günstigsten über die Ortschaft Wust unmittelbar im Osten an Brandenburg grenzend. Vom Süden auf der B1 kommend, biegt man an der ersten Ampelkreuzung in Brandenburg rechts ab. Wer vom Norden oder Osten anfährt, sollte die Autobahnabfahrt Groß Kreutz wählen und dann auf der B1 wie beschrieben weiterfahren.Foto: Von Dr. Günter Kiesel
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