|
|
Vertikal auf Barsch
Der grüne Körper schießt hervor, die feuerroten Brustflossen abgespreizt und die Stachelflosse aufgerichtet: Ein Barsch - heiß auf den Köder von Gerd Koch.
Von Gerd Koch
A
 |
 | Rote Plastik-Plättchen im Sprengring reizen die Barsche bis aufs Blut. |
|
Barsche beißen auf alles, was sich bewegt - meinen viele. Und tatsächlich ist der gestreifte Räuber zumindest als „Halbstarker“ für viele Jungangler der erste Fisch, der am Haken zappelt. Doch die großen Burschen sind schlauer, müssen regelrecht verführt werden. Und deshalb sollte man sich ein wenig damit beschäftigen, wie die Barsche „ticken“.
Die Räuber verfügen über ein ausgezeichnetes Sehvermögen. Im trüben und tiefen Gewässer verlassen sie sich in erster Linie auf ihr Seitenlinienorgan. Damit nehmen sie Erschütterungen und Bewegungen wahr. Außerdem sind Barsche neugierige Gesellen und lassen sich durch Geräusche anlocken.
Allerdings muß sich die Brut vor den eigenen Artgenossen hüten. Insbesondere bei den größeren Rotflossern handelt es sich um Kannibalen. Kaventsmann gesucht Wo findet man die mehrpfündigen Kaventsmänner? Keinesfalls in nahrungsarmen Gewässern, weil die Barschbestände dort verbutten. Gute Lebensräume bieten Flüsse, Seen und Talsperren. Flachwasserzonen sollten sich mit tiefen Bereichen abwechseln, Laichzonen mit Bewuchs und ein üppiges, abwechslungsreiches Nahrungsangebot vorhanden sein.
Doch wo genau stehen die Fische? Im Schutz von Boden-Unebenheiten, versunkenen Bäumen und Ästen, an Scharkanten sowie den sprichwörtlichen Barschbergen - markanten Erhebungen am sonst flachen Gewässergrund. Ein Boot mit Echolot hilft dabei, solche Strukturen (und somit die Fische) aufzuspüren. Naturfreaks, die von Technik nichts halten, oder im Fall eines Echolotverbotes empfehle ich folgende Suchmethode: Zunächst den Anker bis zum Grund absinken lassen. Dann wird die Leine 2 bis 3 m eingeholt und festgezurrt. Wenn nun der Anker während der Drift des Bootes Bodenkontakt bekommt, stehen die Chancen für einen Barschberg nicht schlecht. Endgültige Gewissheit verschaffe ich mir, indem ich mit dem Köder den Gewässergrund abtaste.
Doch oft gibt es auch optische Hinweise darauf, wo die Räuber jagen. Barsche hetzen ihre Beute im Rudel, und dem Beobachter bietet sich ein einmaliges Naturschauspiel, wenn die zusammengetriebenen Kleinfische in Todesangst aus dem Wasser springen. Ich habe erlebt, dass die flüchtenden Beutetiere sogar ans Ufer gesprungen sind. Auch Schwärme von Möwen über den Gewässern können die Jagdplätze der Kannibalen verraten. Barsch-Lift Die gestreiften Räuber stehen nicht immer am höchsten Punkt des Barschberges, sondern oft an den seitlichen Flanken oder am Gewässergrund im Strömungsschatten. Kapitale Barsche sind hingegen Einzelgänger und lauern meist unter dem eigentlichen Schwarm. Sie erlegen ihre Beute mit einem blitzschnellen Angriff von unten. Von Mai bis September ist der Barsch oft im Mittelwasser und in den oberen Wasserschichten anzutreffen. Ab Oktober zieht er mit den Kleinfischen langsam in tiefere Regionen. Nach den ersten Nachtfrösten hält sich der Räuber bis zum Frühjahr an den tiefsten Stellen seines Reviers auf.
Meine Köder bei der Barschpirsch: Minipilker, Barschzocker und Balance-Jigs. Pilker und Zocker tragen am Kopf eine Schnuröse und hüpfen senkrecht durchs Wasser. Bei Balanceködern hingegen knotet man die Schnur an einer Öse im Rückenbereich fest. Das Ganze erinnert an eine Waage und spielt horizontal durchs nasse Element.
Im Süßwasser reichen Pilker-Gewichte zwischen 5 und 30 g. Für Flachwasserzonen montiere ich maximal 12 g, fürs Mittelwasser 18 g, und nur für richtig tiefe Löcher und bei starker Drift greife ich zum Heavy Metal.
Doch längst nicht alles, was in den Regalen blitzt und funkelt, gefällt auch den Fischen. Deshalb nicht gleich Unmengen eines bestimmten Modells kaufen, sondern erst mit einem Exemplar testen, ob der Köder hält, was der Hersteller verspricht. Nach einigen schlechten Erfahrungen rate ich von Billigprodukten ab. Denn der Preis eines Markenzockers zum Beispiel hat schon seinen Grund. Und der ist meist in den Materiallegierungen zu suchen: Einen guten Zocker kann man von Hand biegen, um ihm ein besseres Spiel zu verleihen. Billig-Modelle brechen dabei durch. Köder-Verrenkungen Doch vor irgendwelchen Köder-Verrenkungen lohnt es sich, bei Zockern den werkseitig am Kopf montierten Drilling am Schwanz einzuhängen oder umgekehrt. Oftmals spielt der Verführer nun wesentlich aufreizender im Wasser, und ein Verhängen des Hakens in der Schnur kommt kaum mehr vor. Hier ist Probieren angesagt. Auch der Austausch des Drillings gegen einen Einzelhaken bringt in vielen Fällen bessere Resultate, zumal man ihn noch zusätzlich mit Fischfetzen, Tauwurm oder Madenbündel garnieren kann.
Als „Sahnehäubchen obendrauf“ drapiere ich auf die Verbindungsschnur zusätzlich eine kleine rote Perle. Und das Anbringen eines Beifängers rund 30 cm über dem Pilker steigert die Fangaussichten noch zusätzlich.
Zum Anbieten des Köders habe ich verschiedene Varianten ausprobiert. Beim Zocken direkt unter dem fest verankerten oder treibenden Boot wird der Verführer in die erfolgversprechende Tiefe herabgelassen. Und zwar immer auf der windzugewandten Seite. So treibt das Boot nicht über den Köder. Dann beginne ich mit leichtem Zupfen aus dem Handgelenk. Kleine Pause - erneutes Zittern. Dabei aber nicht wie ein Uhrwerk arbeiten, sondern Hub und Geschwindigkeit der Ködersprünge variieren. Die Bisse erfolgen auch während der Ruhephasen, vor allem, wenn mit einem „aufgesattelten“ Naturköder geangelt wird.
Wie stark die Bewegungen ausfallen, hängt von der Jahreszeit ab. Im Winter reichen wenige Zentimeter, im Sommer lasse ich mein Metallfischchen sogar Metersprünge machen. Als zweite Variante der Köderführung senke ich den Verführer bis auf den Grund ab. Dann wird wieder so viel Schnur auf die Rolle zurückgespult, bis der Köder bei waagrechter Rutenhaltung knapp über dem Gewässergrund schwebt. Ein bisschen Zittern mit der Rutenspitze und das Metallfischchen mutiert zum Süßwasser-Travolta. Zwischendurch klopft mein Tänzer immer wieder auf den Boden. Denn das Geräusch und die dabei aufgewirbelten kleinen Schlammwölkchen locken die Fische - wie gesagt, Barsche sind neugierig.
Nachdem der Grund abgeklopft ist, sollten auch die höheren „Etagen“ abgesucht werden. Man kurbelt bis zum Mittelwasser, oder noch besser bis zur Oberfläche ein. Erst dann den Köder wieder langsam zum Grund sinken lassen. Der Daumen am Spulenrand kontrolliert die ablaufende Schnur und reguliert das Tempo. Überschläge und nicht registrierte Bisse werden so vermieden. Und wenn’s rappelt, sollten Sie sich merken, in welcher Wassertiefe die Attacke erfolgte. Denn ein Barsch räubert selten allein! Geräte-Kiste Ruten: Spinnruten bis 2,10 m Länge, WG 10 - 40 g, mittlere Aktion. Für Flachwasser und leichte Zocker Eis-Angeln von 70 cm und 5 - 15 g WG.
Rollen: Kleine Stationärrollen mit exakt justierbarer Bremse. Wichtig ist eine permanente Rücklaufsperre.
Schnüre: Für Flachwasser und geringe Tiefen Stroft GTM (monofil) 0,16 mm (Tragkraft 3 kg); für tiefere Stellen Stroft GTP Typ 1 (geflochtene Schnur, Tragkraft 3 kg).
Köder: Nils Master Jigger (Zebco), Rauhala Old Balance und Rauhala Pietari sowie Old Balance (JTL), Jensen Pirken (Sänger). Gute Farbkombinationen sind Grün/Gelb, Rot/Gelb, Blau/Gelb, Braun/Silber und Metall; Gewichte zwischen 5 - 30 g. Trimmen für bessere Balance Bei Balance-Jigs verdrehe ich mit einer Flachzange vorsichtig die Schnur-Öse zur Seite hin. Dadurch sinkt der Köder nicht geradlinig nach unten, sondern beschreibt auf seinem Weg abwärts Kreise - und sucht so eine größere Fläche nach Fischen ab.Foto: Verfasser
F
|
|
A
 |
 | Fast egal wohin der Fisch beißt: Bei einem Balance-Jig faßt der Haken immer. Zwei, drei Maden machen den Köder noch attraktiver. |
|
F
|
| |
|