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Alles im Biss: Bissspuren deuten

„Zeige mir, wie Du beißt, und ich weiß, wer Du bist“. – Herzhafte Bissspuren am Köder enttarnen Raubfische. Und sie „erzählen“ viel über deren dramatische Jagd auf friedliche Flossenträger. Dietmar Isaiasch nimmt seine „Künstlinge“ deshalb stets genau unter die Lupe.

Von Dietmar Isaiasch

A

Wobbler mit Biss
Alte Krieger: Oft sind gerade Veteranen-Wobbler mit vielen Schrammen die fängigsten Köder.

Als eingefleischter Kunstköderangler finde ich die Inspektion meiner Wobbler und Gummifische während und zum Ende eines jeden Angeltages fast noch spannender als das Fischen selbst. Nur schweren Herzens trenne ich mich von einem Erfolgsköder, der nach mehrmaligem Ausbessern reif ist für die Mülltonne. Beispielsweise, weil ihn mächtige Hechtkiefer derart zugesetzt haben, dass er Wasser zieht und nicht mehr richtig läuft. Ich leide auch mit, wenn ein „Debütant“ seine ersten Schrammen einstecken muß. Aber was ist das alles gegenüber dem großen Rätselraten, wenn ein Anhieb nicht gesessen hat: Welcher Räuber hat meinen Köder attackiert, seine Zähne hineingeschlagen und so ein Beissmal seiner ungestümen Fresslust hinterlassen? Wie groß war der Bursche und wie schwer? All dies können die Zahnabdrücke und Schrammen verraten. Dann bin ich gewappnet für den nächsten Angriff unter Wasser. Und der nächste Anhieb sitzt. Bestimmt!

Gebiss mit Charakter

Esox ist der Mecky Messer unter Wasser. Die Bissspuren der nadelspitzen Hechtzähne in Köder- oder Gummifischen ähneln fast schon Messerschnitten. Aber unter Wasser sind auch „Wölflinge“ los. Zwei kurze Ratscher verraten sie. Ein Zander hat dann seine ausgeprägten Fänge - auch Hundszähne genannt - in den Köder geschlagen. Auch wenn das Schwanzstück eines „Künstlichen“ aussieht, als wäre es mit Schleifpapier bearbeitet, war es meist ein Stachelritter. Barsch und Wels beißen hingegen etwas dezenter. Man muß schon schärfer hinsehen, um eindeutige Hinweise auf deren Zähne zu entdecken. Denn beide Räuber haben zwar viele, aber dafür winzige Beißerchen im Maul. Ihre Fresswerkzeuge ähneln eher einer Reibe. Dementsprechend sieht der Köder nach dem Biss aus - als wäre er mit grober Sandpapierkörnung malträtiert worden.

Richtig zubeißen

Die Zahnspuren verraten aber auch, aus welcher Richtung die Attacke kam. War es ein heimtückischer Angriff von hinten, sind die Kratzer gleichmäßig in Längsrichtung über den Köder verteilt. Wie lang und tief die Furchen sind, hängt davon ab, wie weit die Kunstbeute beim Anhieb bereits im Räubermaul verschwunden war. Greift ein Beutemacher dagegen von unten an, hinterlässt sein zahniger Rachen fast immer nur ganz kurze Schrammen. Wie Einstiche sieht das aus. Der Frontalvorstoß gegen den Kopf des vermeintlich saftigen Happens markiert den Köder auf gleiche Weise. Fast immer haben dann große Zander mal eben einen Zahnabdruck abgeliefert. Und unser Hecht? Wenn der von oben zuschnappt, fliegen beim Holzwobbler die Fetzen. Ganze Stücke werden herausgebissen. Für Kunststoff-Wobbler bedeutet das, der Lack ist ab. Und Gummifische sind meist hoffnungslos in Höhe der Rückenflosse aufgeschlitzt. Die „Wunden“ nach einem einzigen Angriff sind oft „tödlich“ für den Köder. Der Grund solcher Wucht: Der Fisch wollte diesen Köder um jeden Preis fressen. Pech für uns, wenn auf dem Rücken kein Drilling saß.

Köder behandeln

Die Analyse der Bissspuren liefert also auch Hinweise über die Stärke des Angriffs und sagt uns, wo die Unterwasser-Räuber „Kohldampf“ schieben. So kann jeder Angeldetektiv aus den Zahnabdrücken umgehend Schlüsse ziehen und seine Jagdmethode darauf ausrichten:

  • Die Köderführung verändern. Ihn höher oder flacher anbieten - also genau in der Wassertiefe, in der die beißfreudigen Räuber vermutlich jagen.

  • Die Größe dem Beißverhalten anpassen. Ist der Hunger nicht allzu groß, ist man mit einem etwas kleineren Köder gut beraten. Sind die Attacken hingegen hart und die „Verwundungen“ heftig, wollen die Burschen eine richtige Hauptmahlzeit. Also wählt man den Köder besser eine Nummer größer. Das provoziert.

  • Die Position der Haken verändern. Um Fehlbisse zu vermeiden, werden einfach die Haken so versetzt, dass sie im Zentrum des Bissfeldes liegen. Sie sollten auch - besonders bei Kunstködern - sehr flexibel montiert sein. Das geht am besten, indem man statt eines 2 oder 3 Sprengringe einsetzt. Alternativ wird ein kurzes Stahlvorfach von 3 bis 8 cm Länge zwischen Öse und Haken geschaltet. Dann wedeln die „Greifer“ weit vom Körper des Köders entfernt und fassen bei einem Anbiss viel besser im Maul. Außerdem werden die Räuber den Haken während des Drills nur noch selten los.

    Fische ich an unbekannten Gewässern oder habe ich einen schlechten Beißtag erwischt, muß ein funkelnagelneuer Kunstköder als analysegeeignetes „Abdruckmaterial“ für die Räuber-Zähne herhalten. Schließlich weiß ich nicht, welche Jäger wo und wie beißen.

    Foto: Verfasser

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    Nadelstiche
    Nadelstiche: Diese kurzen Schrammen lassen auf einen Angriff von unten schließen. Oft stammen sie aber auch vom Drilling selbst!
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