Forellen bomben
Sbirullino, Rugby und Saltarella heißen die Zauberworte. Italienische Methoden, die nicht nur beim Forellenangeln voll einschlagen. Signore Roberto führt exklusiv neue Taktiken mit den „Überfliegern“ vor.
Von Henning Stühring
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 | Eine Teich-Forelle im Drill: Die Sbirullino-Rute biegt sich im Halbkreis. |
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Dreht wie ein Propeller, besser als ein Spinner“, meint Roberto. Der italienische Stipp- und Sbirullino-Profi deutet auf die beiden Bienenmaden am Haken. Die obere ist ganz aufgezogen, die untere zu 3 Vierteln. Und beim Probelauf im Flachwasser rotieren sie tatsächlich durch die Fluten.
Das funktioniert aber nur, wenn ein Dreifach-Tönnchen-Wirbel vor das Vorfach geschaltet ist (siehe Zeichnung). Dahinter wird eine kleine Schockperle als Knotenschutz aufgefädelt. Und dann das Herzstück der Montage: der Sbirullino - ein eiförmiger Kunststoffkörper mit Schnurdurchlauf.
Die äußerst windschnittige Form und das relativ hohe Eigengewicht - in diesem Fall ein langsam sinkendes Modell von 12 g - erlauben weite und präzise Würfe. Unter Wasser jedoch gleitet das Teil nahezu schwerelos und unsichtbar für die Fische dahin. Der Sbirullino wirkt somit äußerst unverdächtig und setzt den Flossenträgen nur ein Minimum an Widerstand beim Nehmen des Köders entgegen. Sbirullino: Gängig mit Gefühl Mit einer feinen 4-m-Teleskop-Rute serviert Roberto per Überkopfwurf die Montage, für ihn „die einfachste und beste Variante“. Zunächst lässt er den Köder absinken, um dann das 0,16er Monofil durch seitlichen Zug zu straffen. Und schon kann der Propeller-Lauf durch die Tiefenschichten beginnen: „Kurble ich schnell ein, läuft der Sbirullino flach, drehe ich langsamer, läuft er tiefer.“ Zwischendurch streut der Experte Einhol-Stopps ein - und Zitterpartien: „Dazu lege ich den Zeigefinger auf den Blank und übertrage damit die Bewegung auf die Rutenspitze. Die leitet die Zitterbewegung weiter auf den Köder.“ Zum Sbirullino-Angeln gehört eben auch viel Fingerspitzengefühl.
„Die Forellen suchen“, lautet die Erfolgsformel. Dazu lässt Roberto den „Torpedo“ in verschiedenen Wassertiefen laufen - bis zum Biss. Und der kommt in 1 m Tiefe. Eine stramme Regenbognerin macht Rabatz am leichten Geschirr, bevor sie reif für die Landung ist.
In Deutschland wird fast nur mit den gängigen Sbirullinos gefangen. Und das auch erst seit wenigen Jahren. Grund genug, dem Meister noch mehr italienische Geheimnisse über die „Überflieger“ zu entlocken. Rugby: Fein für schlaue Fische „Beißen die Fische vorsichtig, ist Rugby angesagt“, erklärt der Profi die zweite Variante. Keine brutale Methode, wie der Name vermuten lässt. Ganz im Gegenteil - Rugby ist eine äußerst feine Angelegenheit.
Im Gegensatz zum Sbirullino läuft die Schnur nicht durch eine Plastiktube, sondern direkt durch den eiförmigen Körper. Dadurch spüren beißende Fische noch weniger Widerstand.
Roberto wählt ein etwa halbmeter langes Vorfach. Das bedingt eine langsamere Köderführung als beim Sbirullino-Angeln. Selbst „schlaue“ Forellen werden beim Rugby arglos und „rempeln“ den Köder brutal an. Saltarella: Auf Grund gehen Doch aller guten Dinge sind 3. Während die beiden anderen Methoden im Freiwasser ziehen, zielt die sogenannte Saltarella auf den Grund. Das Mini-Ei sinkt und wird gefühlvoll im Zeitlupentempo über den Boden gezupft.
Der Köder jedoch soll schweben. Dazu knetet Roberto schwimmenden Forellenteig vor die eine Bienenmade um den Haken. Die Vorfachlänge bestimmt die Höhe, in der der Köder über Grund propellert. Der Meister wählt einen halben Meter. Und der Erfolg gibt ihm recht.
Kein Wunder, dass sich auch immer mehr deutsche Petri-Jünger für die italienischen (Dreh-)Momente begeistern. Und - neben den 3 vorgestellten Varianten „gibt es noch ein paar weitere Bomben-Tricks“, versichert Signore Roberto augenzwinkernd. Dann bis zum nächsten Mal! Grenzenlose Möglichkeiten Nicht nur Forellen lassen sich auf die italienische Art verführen. Barsch, Zander und Hecht haben die „suchenden“ Köder ebenfalls zum Fressen gern. Natürliche Leckerbissen wie Tauwurm, Fisch und Fetzen können serviert werden.
Und auch Kunstköder-Fans haben grenzenlose Möglichkeiten: Twister, Spinner, Blinker und Wobbler - alles geht! Und selbst leichteste Happen lassen sich mit den windschnittigen „Bomben“ bequem auf Weite bringen.Foto: Fotos: M. Schippers, S. Helmes und Grand Bleu
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